Wie alles begann

Ein Blick zurück in die graue Vorzeit der Band

Ihr kennt das ja aus Filmen, diese Rückblenden mit den dramatischen Wendungen vor der eigentlichen Geschichte, oder?

Nun, bei uns war das so:

Es war einmal, vor langer Zeit in einem weit entfernten Dorf …
…an einem kalten, schmuddeligen Dienstagabend im Februar 2001. Björn und ich sitzen in der Singstunde des örtlichen Gesangsvereins „Frohsinn“ und halten uns an unserer Limo (oder wie heißt das mit dem Schaum drauf?) fest.

Die Tür geht auf, es wird kurz still. Da steht ER – der „Man in Black“. Namentlich Andreas Hornung – unser neuer Pfarrer. Seines Zeichens jung, sportlich, dynamisch, voller Ideen, und spricht diesen schicksalhaften Satz: „…Jugendgottesdienst…bisschen Stimmung…irgend ’ne Band…!!!“(frängisch halt, ma beschrängd sich aufs Wesendliche).

Wie jetz – irgendeine Band? Der Musiker gilbt es in Seinsheim ja wohl genügend. Wäre ja noch schöner irgendwelche Fremden anrücken zu lassen.

Der Stein des Anstoßes kam ins Rollen. Björn und ich – je ’ne Gitarre. Im Nachbarraum saß Björns Bruder Patrick – Schlagzeug.

Am folgenden Samstag in der Bar im Jugendheim (um ca 4.30 Uhr) nötigen wir die blonde Danny zum Keyboard spielen.

Die erste Probe – was ein Spaß! Innerlich verfluche ich mich für diese blödsinnige Idee. Der erste Termin stand schon fest: Pfingsten, Zeltgottesdienst, mit uns vieren? Das konnte ja heiter werden.

Und dann der große Tag. Wie an unserem Weinfest üblich ist es arschkalt, ich aber schwitze wie schon lange nicht mehr. Die Eigenbewegung meiner Hände lässt auf „Parkinsonsche“ schließen und trotz jeder Menge Solarium hat sich meine Gesichtsfarbe meinem weißen Hemd angepasst. Aber: die ganze Aufregung war umsonst, es hat geklappt.

Diesem „Euphorischen Erlebnis“ schließt sich der Wunsch an, dieses Projekt auszubauen. Ein Saxophon kommt immer gut – wir ziehen die Melanie mit ins Boot. Eine weibliche Gesangsstimme muss sein – die Iris muss daran glauben. Was noch fehlt ist ein Bassist. Tja, der BASSIST!
Die Suche, sowie die unzähligen Probanten, währen einer eigenen Website würdig.
Der erste war noch ok, weil nicht echt. Tom ist eigentlich der Drummer bei Domino, kann aber unsere verzweifelte Suche nicht mehr mit ansehen und kauft sich einen Bass.

Langsam fängt die Sache an zu grooven. Weil aber nur Gottesdienste spielen auf Dauer nicht wirklich erfüllt, planen wir ein Weihnachtskonzert mit schönen modernen und rockigen Liedern. Als Gastsängerin packen wir uns noch die Babsi von Domino ein und los geht’s. Hat Spaß gemacht, war super – anfangs. Der Spaß hatte ein Ende als Patrick bei „Maries Boychild“ unvermittelt in einen Polkarhythmus umschwenkt, dem der Rest von uns nicht wirklich folgen kann. Daraus resultierte die Erfahrung, dass auch neue Drummer schwer zu finden sind.

Für ihn kam die „Crazy Resi“. Wir waren uns mittlerweile einig, auch in die weltliche Musikszene einzufallen. Los ging’s mit „I love Rock & Roll“ von Joan Jett, und nach einigen Wochen mit der Einsicht, dass es mit der Resi wohl nix wird.

Dann kam ER. „Sir“ Andres Kunstädter – endlich ein Lichtblick. Jetzt ging es voran. In den folgenden vier Monaten prügelten wir uns ein Programm von etwa 2,5 Stunden rein, um Freunde und Bekannte auf unserer traditionellen Weihnachtsfete damit zu beglücken. WIR hatten Spaß!!!

Nach dem wir unser Programm kontinuierlich auf abendfüllende Länge ausgebaut hatten, kamen wir nach einigen kleineren Gigs endlich an eine echte Herausforderung. Wir sollten den „Kerwatanz in Hüttenheim“ spielen. JO! Jetzt war es so weit, wir machen Karriere, der Weg zum „Strohofer“ ist gepflastert. Nichts kann uns mehr aufhalten.

Denkste!!! Unsere Danny fängt ihre Ausbildung an. Nicht wie andere irgendwo im Landkreis. Nee, in Hameln woll’n sie ihr die Flötentöne beibringen.

Aber Tiefschläge sind ja da, um sie wegzustecken. Tom ist flexibel, er kauft sich ein Keyboard. Nun haben wir zwar keinen Bassisten mehr, können aber notgedrungen auf Midifiles ausweichen. Soweit so gut. Proben bis zum Abwinken! Fieberhaft! Der Termin rückt näher!! Vorfreude!! Und zwei Wochen vorher Tom’s Frage: „Wann ist das überhaupt?“…“Oh, da spiele ich mit Domino“!?!

Tja Freunde, der Weg zum Strohofer ist gepflastert. Doch offensichtlich sind wir irgendwo falsch abgebogen und rumpeln nun den Feldweg nebenan entlang.

Gut, alles am Boden zerstört also. Aufgeben oder weitermachen? Ein letztes Aufbäumen, wieder suchen und inserieren. Neuer Keyboarder, neuer Bassist, und endlich einmal Glück. Martin (1) schlägt bei uns auf, und mit ihm der Glaube an midifreie Livemusik. Stimmungsbarometer und Qualität schießen steil nach oben, nur gebremst von der Suche nach dem Bassisten (siehe oben).

Auch den haben wir mittlerweile gefunden. Martin (2), seither genannt „Mad“, legt es wirklich darauf an uns zu überzeugen, dass auch Basser menschlich sein können.

…und wenn wir nicht gestorben sind, dann heißt es auch morgen wieder:

„raise your hands up in the air, here comes EXPERIENCE!!!“

„HALT, HALT, HALT“….werdet Ihr jetzt rufen! „Das sind die doch gar nicht mehr. Die sehen doch jetzt ganz anders aus“. FALSCH!!! Wir sind nur älter geworden und rasieren uns nicht mehr ordentlich um die Falten zu kaschieren. Abgesehen natürlich von der Iris…die hat ja keine Falten.

Aber! Ganz Unrecht habt Ihr natürlich nicht. Der aufmerksame Beobachter wird schnell feststellen: Heeeee! Da is‘ ja ne zweite Sängerin, und die trägt auch keinen Bart! Der Drummer hat gar keine Falten und der Keyboarder ist auf einmal gewachsen und ganz schmal im Gesicht. Was also war geschehen…???

Wie es bei jedem guten und ruhmreichen Blockbuster üblich ist, gibt es natürlich Fortsetzungen…

Teil II: „Stirb langsam“

Ein großer Philosoph der Neuzeit 😉 hat mal gesagt: “Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß nie was man bekommt (Naja, außer in Deutschland. Da steht auf der Rückseite genau was man bekommt, sonst wäre es ja wieder verboten)“. Und so hat uns das Leben im Laufe der vielen, geilen Jahre auch öfters in die Schachtel greifen lassen. Berufliche Veränderungen, menschliche Veränderungen, musikalische Veränderungen, Verluste, Neuanfänge…und irgendwann die Erkenntnis: Ne! Das passt nicht mehr, das sind wir nicht mehr. Der Drops ist gelutscht, Experience ist gestorben. Man muss einfach wissen, wann der Vorhang zu fallen hat, auch wenn noch so viel Herzblut drinnen steckt.

Teil III: „jetzt erst recht“

1. AKT:

Papa Ludwig, seines Zeichens alter Musikerkollege aus meiner Blasmusikära (Jaja, bitte, Silentium) spricht: „Mensch, mei Bua hockt die ganze Zeit im Keller und trommelt so schö vor sich hi und traut sich net naus“. Folgerichtig ist mein nächster Satz: „Bua (also Floh halt), bevor du bei irgendjemand anderes anfängst, sagst Bescheid. Wenn mir den richtigen Drummer gfunden hättn, hätt mer bestimmt scho wieder angfangn“.

2. AKT:

Back to the roots. Unser neuer Pfarrer tritt mit der Bitte an mich heran, wir möchten doch auf Grund eines Jubiläums wieder mal seinen Weinfestgottesdienst begleiten. Hm, da war doch was? Richtig! Bevor sich der arme Kerl bewusst war auf was er sich da einlässt, haben wir ihn aus seinem dunklen Keller rauf auf die helle Bühne gezerrt. Papa Ludwig und Mama Gabi waren mächtig stolz.

3. AKT:

Jetzt sind wir ja nicht die Eagles. „Hell freezes over“ haben wir niemals gesagt. Im Gegenteil, auch nach dem Ende haben wir uns (fast alle) lieb gehabt. Und so kam es dann in sporadischen Abständen immer wieder zu lustigen Zusammenkünften um in der Vergangenheit zu schwelgen und dem Alkohol zu fröhnen. Und was entsteht aus so einer Bierlaune heraus? Richtig! Immer eine gute Idee. In diesem Fall war sie sogar ausgezeichnet: Einer unserer letzten Gigs war ein 40er Geburtstag bei, ich nenn ihn mal „Nobby“. Jetzt wird der Gute doch glatt schon 50. Da könnten wir doch mal so, naja einfach halt ein bisschen, quasi als Überraschung, könnten wir doch mal…und schon haben wir den armen Floh erneut aus seinem Keller gezerrt. Aber diesmal hat er sich gar nicht mehr so arg gewehrt.

Überraschung ist völlig gelungen. Nobby war glücklich, die Gäste waren begeistert und wir wussten: Wir haben es immer noch drauf. Lasst uns wieder einsteigen.

4. AKT:

So ging es also wieder los. Proben, proben, proben und ein abendfüllendes Programm aufbauen. Erster richtiger Gig war wieder mal eine Traditionssache: Rosenmontag in Seinsheim. Leider unter nicht ganz optimalen Bedingungen. Da ich krankheitsbedingt kurzfristig ausfiel, hat uns unsere alte Freundin Babsi gesanglich unterstützt…und ist uns gleich erhalten geblieben. Allerdings hat sich hinterher auch recht zügig wieder Ernüchterung eingestellt. Sehr schnell haben wir nämlich festgestellt, dass diese Konstellation so nicht wirklich funktionieren wird. Martin hat (ich mach hier mal ein bisschen Werbung) mit seinem Trio Mr. Music natürlich feste Termine und permanente Überschneidungen wären vorprogrammiert. Schade! Funktioniert also wieder nicht. Also zwei Möglichkeiten: Entweder wieder einstampfen oder einen neuen Keyboarder suchen.

Aber wenn wir was richtig gut können, dann ist das suchen. Wieder vergehen also Monate mit wenigen Probanden aber umso mehr Kopfschütteln. Und wieder wurden wir fündig. Diesmal nicht im Keller, dafür aber in Ochsenfurt. Mit Marc sind wir nun wieder komplett. Und wir sind nicht nur komplett, wir sind heiß, wir sind gierig, wir sind wieder DA!!!

…und weil wir nicht gestorben sind heißt es auch morgen wieder:

raise your hands up in the air, here comes EXPERIENCE!!!“

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